Justizirrtümer: Opfer und Experten
Die Akademie Meran veranstaltet auf Schloss Maretsch in Bozen eine internationale Tagung zum Thema Justizirrtümer und unrechtmäßige Haft – ein Phänomen, das in jedem Rechtsstaat vorkommt, aber selten offen diskutiert wird.
Im ersten Teil der Tagung berichten Menschen, die unschuldig verurteilt oder inhaftiert wurden, von ihren Erfahrungen: falsche Anschuldigungen, gesellschaftliche Ächtung, monatelange oder jahrelange Haft, bevor ihre Unschuld anerkannt wurde. Zu den Betroffenen zählen unter anderem Giovanni De Luise (acht Jahre und acht Monate Haft aufgrund einer Personenverwechslung), Angelo Massaro (21 Jahre Haft für einen Mord, den er nicht begangen hat, später freigesprochen nach Verfahrenswiederaufnahme) und weitere Personen, die nach langwierigen Verfahren vollständig rehabilitiert wurden.
Im zweiten Teil folgen drei Diskussionsrunden mit Expertinnen und Experten:
In der ersten Runde analysieren investigative Journalisten drei aktuelle und vieldiskutierte Fälle – darunter die lebenslangen Urteile gegen Rosa Bazzi und Olindo Romano für die sogenannte „Strage di Erba", die Verurteilung von Massimo Bossetti für den Mord an Yara Gambirasio sowie die 25-jährige Haftstrafe gegen Monica Bussetto für den Mord an Lida Taffi Pamio.
In der zweiten Runde diskutieren Juristinnen und Journalisten über die strukturellen Ursachen von Justizirrtümern und mögliche Lösungsansätze. Zu den Teilnehmenden gehören Alessandro Barbano, Raffaele Della Valle und Vincenzo Vitale, moderiert von Antonino Monteleone.
In der dritten Runde berichten Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz über den Umgang mit Justizirrtümern im europäischen Ausland – darunter Carsten Momsen (Freie Universität Berlin, Mitgründer von „Innocence Project Deutschland"), Linda Geven (Universität Leiden, Mitgründerin von EUREX) und Teresa Schneider (Universität Luzern, Mitgründerin von EUREX). EUREX ist die erste gemeinsame europäische Datenbank für Justizirrtümer, die 2024 eingerichtet wurde. Die Runde wird von Cuno Tarfusser moderiert.
Die Tagung ist von Cuno Tarfusser initiiert worden, Präsident der Akademie Meran, ehemaliger Oberstaatsanwalt in Bozen, Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und stellvertretender Generalstaatsanwalt in Mailand. In seiner beruflichen Laufbahn war er selbst mit konkreten Fällen von Justizirrtümern konfrontiert, unter anderem mit dem Fall des Ehepaars Romano-Bazzi, für das er eine Verfahrenswiederaufnahme beantragt hatte – ein Antrag, der 2024 abgelehnt wurde.
Begleitend zur Veranstaltung wird eine kleine Bibliothek eingerichtet, in der Bücher zu den behandelten Themen und Fällen ausgestellt und zum Kauf angeboten werden.
Der Eintritt ist frei.
Programm:
09:00 Eröffnung und institutionelle Grußworte
09:15 Einführung: Ziele der Tagung
09:30 Die Dimensionen des Problems
10:00 Berichte der Betroffenen
14:00 Diskussion: aktuelle umstrittene Fälle
15:30 Experten zu Ursachen und möglichen Lösungen
17:00 Blick ins europäische Ausland
19:00 Abschluss
Treffpunkt:
Schloss Maretsch
Kontaktinfo:
Akademie Meran
+39 0473 237737
info@meran.academy
Nützliche Links:
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